EMDR Ausbildung Schweiz: Wie Du mit iEMDR als Coach arbeitest
EMDR Ausbildung Schweiz: iEMDR (integratives EMDR) für Coaches. Wie die Methode neurobiologisch wirkt und wie Du sie als Zusatzqualifikation lernst.
Sie konnte selbst Auto fahren, aber nicht mehr als Beifahrerin. Und gar nicht auf dem Rücksitz. Und als sie an einer Kreuzung dem Verkehr zuschaute, schnürte sich ihre Kehle zu. Aus dem Nichts. Fabienne, die eigentlich anders heisst, war Ende zwanzig, kaufmännische Angestellte und wenige Monate nach einem Autounfall. Zum Psychiater wollte sie nicht. “Psychisch krank”, ein Etikett, das sie nicht wollte.
Hier entscheidet eine EMDR Ausbildung Schweiz über die Praxis eines Coaches. iEMDR – integratives EMDR – ist die Coaching-Variante der Methode. Wie das Original arbeitet man über bilaterale Stimulation direkt mit den Angst- und Stress-Netzwerken des Nervensystems. EMDR wirkt auch, wenn der Klient der Methode skeptisch gegenübersteht. Aus dem Grund setze ich die Methode seit Jahren ein.
Was iEMDR ist und was es nicht ist
iEMDR steht für integratives EMDR. Das grosse EMDR kennst Du vielleicht schon. EMDR steht für den Zungenbrecher Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Francine Shapiro hat es 1987 beim Spazieren im Park entdeckt, aus einer Beobachtung über ihre eigenen Augenbewegungen. Heute gilt es als Standard-Methode bei posttraumatischen Belastungsstörungen. Also im klinischen Kontext von Traumatherapeuten mit jahrelanger Ausbildung.
iEMDR ist hingegen im Coaching-Rahmen. Inge Grell und Renate Mentz haben das klassische, problemfokussierte EMDR mit lösungs- und zukunftsorientierten Elementen erweitert. Mit Ressourcenarbeit, Zielsatz, Wunschbild, usw. Das kleine “i” ist der Schlüssel. iEMDR fragt nicht nur “Was belastet Dich?”, sondern “Wie willst Du Dich stattdessen fühlen?”. Es geht um die Integration belastender Erinnerungen.
Technisch sind beide gleich: bilaterale Stimulation. Wechselseitige Reize über Augenbewegungen, Tapping oder auditiv. Das Gehirn bekommt während des Stresserlebens eine zweite, rhythmische Aufgabe. Was dabei genau passiert, dazu kommen wir gleich.
Und was iEMDR nicht ist: ein Trauma-Therapieersatz. Wer eine schwere PTBS hat, dissoziative Symptome, Psychosen, Suizidgedanken – gehört in die Hände eines Therapeuten oder eines Psychiaters. Da kommt auch der Coach mit iEMDR an seine Grenze. Mindestens ethisch.
Warum iEMDR wirkt, auch wenn der Klient zweifelt
Meine EMDR-Ausbilderin Inge Grell nannte es mit Schalk:
“Von hinten durch die Brust ins Auge”. Bei Hypnose ists anders. Wenn jemand nicht daran glaubt, ist er mit seinem inneren Dialog unwillentlich am Gegenbeispiel und Probleme ansuchen. Dabei kann man sich so nicht zu 100% auf die Session einlassen.
Das ist kein frommer Wunsch. Das ist ein neurobiologischer Faktor.
Hypnose braucht mehr kognitive Compliance. Wenn Dein Klient im Kopf schon während der Trance-Induktion zu dirigieren beginnt (“das klappt bei mir sowieso nicht”), blockiert er sich selbst. Diese neue Suggestion kommt dann nicht an.
iEMDR umgeht diese Schleife. Die bilaterale Stimulation setzt am Nervensystem an. Die Amygdala – das Angst- und Alarmzentrum im Gehirn – beruhigt sich mit der Stimulation. Das hat das Team um de Voogd in fMRT-Studien gezeigt. Gleichzeitig fahren Entscheidungs-Netzwerke hoch. Diese sind für kreative Lösungsfindung und Handlung zuständig. Die Details dieser Forschung habe ich im Artikel über das Angstzentrum aufgearbeitet.
Das heisst praktisch: Dein Klient kann skeptisch sein. Er kann während der Session nicht denken “keine Ahnung, ob das was bringt”. Die Augenbewegungen machen ihre Arbeit trotzdem.
Das ist der Unterschied, der für Coaches zählt. Weil Coaches zuweilen mit genau dieser Sorte Klient arbeiten. Leistungsorientierte Menschen, die vorher noch nie in Therapie waren. Die skeptisch sind. Die nicht “dran glauben” wollen, sondern Ergebnisse sehen.
Die Forschung rund um bilaterale Stimulation ist noch in Bewegung. Aber für die klinische Praxis und für den Coaching-Alltag reicht das, was belegt ist.
Eine Klientin, 45 Minuten Hypnose, SUD 9
Zurück zu Fabienne.
Ich hab’ in der ersten Sitzung mit Hypnose begonnen. Das war meine erste Wahl, für eine ruhige, gelöste Grundhaltung. Aber sie konnte sich nicht loslassen. Dreiviertelstunde Induktion, Vertiefung, sanfte Stimme, alles da. Aber kein Effekt. Nicht verkrampft, aber eben: kontrolliert. Das passiert.
Dann Wechsel auf iEMDR. Bilaterale Stimulation über die Augenbewegung. Zielsatz und Wunschbild haben wir vorher erarbeitet: “Ich fühle mich sicher und bin gut aufgehoben.”
SUD-Skala von 0 bis 10 – wie stark belastet Dich der Gedanke jetzt gerade, wenn Du Dich als Beifahrerin erinnerst? Sie sagt: neun.
Wir machen einen Durchgang. Dann noch einen. Danach frage ich wieder nach dem SUD-Wert. Sie sagt: unter zwei.
Sie bekam wässrige Augen. Nicht dramatisch, eher wie jemand, der gerade etwas loslässt, was er lange mitgeschleppt hat. Dann sagt sie sinngemäss: “Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals wieder so entspannt und bei mir sein könnte.”
Sie nahm Hausaufgabe bis zum Kontrolltermin mit: Zielsatz und Wunschbild regelmässig verankern. Sonst nichts.
Die darauffolgende Nacht hat sie zum ersten Mal seit Monaten wieder durchgeschlafen. Beim Kontrolltermin drei Wochen später: Sie konnte wieder als Beifahrerin sitzen. Keine Angstschübe mehr. Keine Flashbacks. Keine Schlafstörungen.
Eine Session. Ein Kontrolltermin. Kein Medikament, kein Psychiater.
Und genau das ist der Punkt, an dem Coaches oft stutzig werden. Zu schnell, zu sauber. Stimmt, es ist nicht immer so. Bei komplexeren Fällen braucht es mehr Sessions, mehr Ressourcenarbeit, manchmal auch die Überweisung in eine Therapie. Aber wenn ein einzelnes, klar umrissenes Ereignis die Ursache ist, und der Klient Zugang zu sich hat, dann kann iEMDR wirklich so schnell wirken. Das ist kein Zaubertrick. Das ist sauber trainiertes Handwerk.
Wie Du iEMDR als Coach lernst
Die EMDR Ausbildung Schweiz zerfällt in zwei Welten. Und die werden häufig verwechselt.
Die eine ist die klinisch-therapeutische EMDR-Ausbildung. Sie läuft über Fachverbände wie EMDR Schweiz, setzt eine abgeschlossene Psychotherapie-Ausbildung voraus und führt zum EMDR-Therapeuten. Lang, tief, klinisch. Nicht das Format, über das wir hier reden.
Die andere ist die iEMDR-Basisausbildung für Coaches, Psychologen und Therapeuten mit Coaching-Ausbildung. Das ist das Format der Mindgroup Coaching Academy und es ist eine Zusatzqualifikation, keine Einstiegsausbildung. Das ist wichtig.
Du bist nach der iEMDR-Basisausbildung kein EMDR-Therapeut. Du bleibst das, was Du vorher warst – Coach, Berater, Therapeut mit Coaching-Praxis – und hast ein zusätzliches Werkzeug in der Hand. Ein sehr präzises.
Was in der Ausbildung drin ist: Grundlagen EMDR, bilaterale Stimulation in allen drei Kanälen (visuell, taktil, auditiv), lösungsfokussierte Ressourcenarbeit, integrative Prozesse, vollständiger Coaching-Ablauf mit Checkliste, Arbeit an Entstressung, Angstabbau und Traumabearbeitung, dazu das Vorgehen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Das Setting ist klein und erfahrungsbasiert – Du übst iEMDR zuerst an Dir selbst, bevor Du es am Klienten einsetzt.
Für wen iEMDR passt und für wen nicht
Eine ehrliche Abgrenzung, weil hier viel Marketing-Nebel kursiert.
iEMDR passt für Dich, wenn Du bereits als Coach, Berater oder coachend tätiger Therapeut arbeitest. Wenn Du mit Stress, Ängsten, Leistungsblockaden, Prüfungsangst oder situativen Ängsten wie Flugangst zu tun hast. Wenn Du eine Methode suchst, die jenseits von Gesprächstechniken am Nervensystem ansetzt. Und wenn Du bereit bist, Dich auf ein strukturiertes Protokoll einzulassen, statt zu improvisieren.
iEMDR passt nicht, wenn Du gerade erst in den Coaching-Beruf einsteigst. Ohne Coaching-Fundament fehlt Dir der Rahmen, in den Du iEMDR einbettest. Auch nicht, wenn Du hoffst, damit klinische Traumatherapie zu machen. Das ist eine andere Kategorie. Und da solltest Du einem Klienten auch ehrlich sagen: “Das ist nicht mein Feld. Ich empfehle Dir die folgenden Adressen.”
Und falls Du Dich fragst, wie sich iEMDR gegenüber Hypnose, NLP oder klassischem Coaching positioniert – kurz: Es ersetzt nichts davon. Es ergänzt. Ich setze iEMDR oft nach oder parallel zu hypnotischen Interventionen ein, manchmal als Einstieg, wenn Hypnose nicht funktioniert. So wie bei Fabienne. Wenn du mehr zur spezifischen Anwendung lesen willst, findest Du das im Artikel zur Wirkung von iEMDR gegen Flugangst und zur Einordnung von iEMDR als schnellere, wirksamere Methode.
Häufige Fragen zur EMDR Ausbildung Schweiz
Was ist der Unterschied zwischen iEMDR und EMDR?
Klassisches EMDR ist eine Traumatherapie-Methode, die Francine Shapiro 1987 entwickelt hat. Sie ist problemfokussiert und wird im klinisch-therapeutischen Kontext eingesetzt. iEMDR (integratives EMDR) ist die Coaching-Variante. Sie ist lösungs- und zukunftsorientiert, integriert NLP- und systemische Elemente und arbeitet im Coaching-Rahmen – nicht in der Psychotherapie.
Brauche ich eine Therapieausbildung, um iEMDR zu lernen?
Nein. Die iEMDR-Basisausbildung richtet sich an Coaches, Psychologen und Therapeuten mit bestehender Coaching-Ausbildung. Vorausgesetzt wird eine Coaching-Praxis – keine EMDR-Therapeutenausbildung. Du bist nach dem Seminar kein EMDR-Therapeut, sondern ein Coach mit einem zusätzlichen Werkzeug.
Wie lange dauert die iEMDR Basisausbildung in der Schweiz?
Zwei Monate, drei Präsenztage von 9 bis 17 Uhr. Durchgeführt im Zentrum Liebfrauen, 8006 Zürich. Die Kosten liegen bei CHF 790. Die nächsten Termine 2026 sind der 8. Mai, der 5. Juni und der 3. Juli.
Wirkt iEMDR auch bei Klienten, die skeptisch sind?
Ja. iEMDR arbeitet über bilaterale Stimulation direkt mit den Angst- und Stress-Netzwerken des Nervensystems – unabhängig davon, ob der Klient an die Methode glaubt. Bei Hypnose ist das anders, weil dort innerer Dialog und Compliance eine grössere Rolle spielen. Das ist einer der pragmatischen Gründe, warum iEMDR im Coaching-Alltag so robust ist.
Was das für Dich bedeutet
Wenn Du bereits als Coach arbeitest und eine Methode suchst, die Gefühlszustände in Minuten statt in Wochen verankert, ist iEMDR ein klares Handwerk. Nicht magisch. Nicht universell. Aber verlässlich – auch bei Klienten, die skeptisch sind.
Die EMDR Ausbildung Schweiz im Coaching-Bereich führt Dich nicht zum Traumatherapeuten. Sie führt Dich zu einem zusätzlichen, präzisen Werkzeug, mit dem Du an genau der Stelle arbeiten kannst, an der Gesprächstechniken an ihre Grenze stossen. Am Nervensystem selbst.
Weiterführende Artikel
- EMDR – Beruhige das Zentrum der Angst – die neurobiologische Tiefe: wie bilaterale Stimulation die Amygdala beeinflusst.
- Kompetenter mit iEMDR – schneller und wirksamer – die Einordnung von iEMDR gegenüber klassischem EMDR, inklusive Praxisbeispiel.
- iEMDR-Coaching gegen Flugangst – ein weiteres Fallbeispiel aus der Praxis, mit Fokus auf Angst und Kontrollverlust.
- Mit iEMDR-Musik stärker gegen Angst – die auditive Variante der bilateralen Stimulation.
Referenzen (3)
- Shapiro, F. (1989). Efficacy of the eye movement desensitization procedure in the treatment of traumatic memories. Journal of Traumatic Stress, 2(2), 199–223.
- de Voogd, L. D., Kanen, J. W., Neville, D. A., Roelofs, K., Fernández, G., & Hermans, E. J. (2018). Eye-Movement Intervention Enhances Extinction via Amygdala Deactivation. The Journal of Neuroscience, 38(40), 8694–8706.
- Grell, I. & Mentz, R. iEMDR – integrative Erweiterung des klassischen EMDR um lösungsfokussierte und ressourcenorientierte Elemente.
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