Ich bin nicht gut genug. Andere sind erfolgreicher als ich. Ich darf keine Fehler machen.
Kennst Du solche Sätze? Wahrscheinlich. Und wahrscheinlich hast Du Dir noch nie die eine Frage gestellt, die alles verändert: Ist das eigentlich wahr?
Nicht ob es sich wahr anfühlt. Nicht ob es sich mit irgendeiner Erinnerung deckt. Sondern ob es tatsächlich, messbar, überprüfbar wahr ist. Limitierende Glaubenssätze haben eine seltsame Eigenschaft – sie fühlen sich so real an, dass wir sie nie hinterfragen. Dabei sind sie genau das nicht. Real.
In einer aktuellen Inner Circle Session der Mindgroup Coaching Academy haben wir dieses Thema mit angehenden Mental Coaches seziert. Was dabei rauskam, ist einfacher als die meisten denken. Und gleichzeitig schwieriger umzusetzen, als es klingt. Vielleicht ist genau das der Grund, warum die Arbeit mit Glaubenssätzen so zentral ist in jeder seriösen Mental Coach Ausbildung.
Was ein Glaubenssatz wirklich ist – und was nicht
Ein Glaubenssatz ist das, was Du für wahr hältst. Unabhängig davon, ob es wahr ist. Das ist der Satz, den man sich einprägen sollte.
Glaubenssätze sind Filter. Durch diese Filter schaust Du auf die Welt, auf andere Menschen, auf Dich selbst. Manche Informationen gehen durch, andere bleiben am Filter hängen. Was Du wahrnimmst, interpretierst und wie Du handelst – das alles wird von diesen Filtern gesteuert.
Ich sage in der Arbeit mit Klienten manchmal: Ohne Daten bist Du einfach jemand mit einer Meinung. Meinungen kann jeder haben. Wenn jemand sagt „Ich glaube, das funktioniert nicht“, dann ist das kein Fakt. Wenn jemand sagt „Ich weiss, dass es nicht funktioniert“, dann muss irgendetwas evident sein. Ich kann es messen, beobachten, nachprüfen. Aber glauben? Glauben hat nichts mit Realität zu tun.
Das klingt jetzt vielleicht hart. Ist es auch. Aber genau das ist der Punkt, den ich in über zwanzig Jahren als Mental Coach immer wieder sehe: Leute verwechseln Glaubenssätze mit Fakten. Und diese Verwechslung kostet sie. Jeden Tag.
Der Hund, der sich in den Schwanz beisst
Es ist wie Schachspielen mit sich selber im Kopf. Ohne Gegner. Und trotzdem das Gefühl, man verliert immer.
Limitierende Glaubenssätze funktionieren zirkulär. Ich glaube, ich kann etwas nicht. Also handle ich entsprechend. Also bekomme ich ein Ergebnis das bestätigt, was ich geglaubt habe. Und der Kreislauf geht weiter. Das Verrückte daran: Der echte Hund beisst sich tatsächlich in den Schwanz. Im Kopf gibt es keinen echten Hund. Da mache ich das alles selbst.
Woran erkennt man, dass gerade ein Glaubenssatz am Werk ist? Ein Mental Coach lernt, auf ein paar ziemlich zuverlässige Hinweise zu achten.
Wiederkehrende Aussagen wie „immer“ oder „nie“ oder „ich kann nicht“. Starre Verallgemeinerungen – das sind in der NLP-Sprache Universalquantoren. Wenn jemand sagt „es hat noch nie geklappt bei mir“, dann ist fast immer ein Glaubenssatz im Spiel. Weil „nie“ schlicht nicht stimmen kann.
Dann gibt’s inneren Widerstand, wenn Du Dir etwas Neues vorstellen sollst. Jemand sagt „das ist nichts für mich“ – hat es aber noch nie ausprobiert. Keine Ahnung wie es funktioniert. Aber die Tür ist schon zu. Das ist kein rationales Urteil. Das ist ein Filter, der Informationen draussen hält.
Und manchmal sind es körperliche Reaktionen. Anspannung. Druckgefühl. Wenn Du über ein bestimmtes Vorhaben sprichst, merkst Du es im Körper, obwohl die Situation, über die Du redest, gar nicht da ist. Du diskutierst Dich von Deinem Schreibtisch aus in einen Stress, der nichts mit der Realität zu tun hat. Das zu erkennen – bei Dir selbst und bei Klienten – ist eines der ersten Dinge, die Du in einer guten Mental Coach Ausbildung lernst.
Jedes Ereignis ist ein neues
Hier wird es jetzt richtig spannend. In der Session kam ein Beispiel, das ich öfter bringe, weil es so klar ist.
Ein Klient kam zu mir, sein Sohn hatte eine Uni-Prüfung vor sich. Hatte die gleiche Prüfung schon einmal nicht bestanden. Der Stress war brutal. Und jetzt die Frage: Warum?
Weil er glaubt, es sei dieselbe Prüfung. Ist es aber nicht. Er ist an der einen Prüfung einmal durchgefallen. Jetzt kommt eine neue. Anderer Tag, anderer Zustand, andere Vorbereitung. Das ist nicht dasselbe Ereignis. Das ist ein komplett neues.
Das war der Moment in der Session, wo bei mehreren Teilnehmern etwas geklickt hat. Eine Teilnehmerin sagte hinterher: „Ich habe das Gefühl, ich habe eine komplett neue Denkweise bekommen.“ Und ich glaube, der Grund ist simpler als man denkt. Wir nehmen automatisch an, dass sich Dinge wiederholen. Tun sie aber nicht. Jeder Moment im Leben ist neu. Da wiederholt sich nichts. Stell Dir vor, es würde sich wirklich wiederholen – Du stehst am Morgen auf und merkst: Moment, das ist doch gestern.
Was sich wiederholt, ist der Glaubenssatz. Nicht das Ereignis. Und als Mental Coach ist genau das Dein Hebel.
Warum Du Glaubenssätze nicht ernst nehmen solltest
Jetzt kommt die Frage, die in der Session fast provokativ wirkte: Warum sollte ich einen Glaubenssatz überhaupt ernst nehmen?
Denk mal drüber nach. Wenn ein Glaubenssatz per Definition keine Realität ist – warum behandle ich ihn dann so?
Ein guter Bekannter von mir hat vor sieben oder acht Jahren eine Pankreas-Diagnose bekommen. Lebenserwartung: normalerweise wenige Monate. Er steht immer noch auf der Bühne. Und jedes Mal wenn er präsentiert, hat er Angst. Er sagt das auch so. Und dann stellt er sich eine einzige Frage: Ist das lebensbedrohlich?
Die Antwort ist Nein. Also macht er es halt mit Angst.
Das ist vielleicht der ehrlichste Umgang mit limitierenden Glaubenssätzen, den ich kenne. Nicht alles muss sich gut anfühlen. Sich bei allem wohl fühlen zu müssen – das ist auch ein Glaubenssatz. Und nicht mal ein besonders nützlicher.
Reframing – das Werkzeug, das jeder Mental Coach nutzt
Was in der Arbeit mit Glaubenssätzen wirklich hilft, ist simpler als die meisten Leute denken. Es geht nicht darum, den Glaubenssatz wegzumachen. Es geht darum, ihm eine andere Bedeutung zu geben.
Wenn jemand sagt „beim letzten Mal habe ich meine Worte vergessen bei der Präsentation“, dann ist das ein Fakt. Passiert. Aber „ich bin ein schlechter Präsentator“ – das ist kein Fakt mehr. Das ist eine Bedeutung. Und die Bedeutung bestimmt, wie Du nachher handelst. Diesen Unterschied sauber rauszuarbeiten – das ist Handwerk. Und dieses Handwerk lernst Du nicht aus Büchern.
Die Neurowissenschaft unterstützt das übrigens. Wenn Du das, was Du im Körper spürst vor einer stressigen Situation, als negativ bewertest, ist Deine kognitive Leistung messbar schlechter. Bewertest Du es als Aktivierung – mein Körper macht sich bereit, jetzt geht es los – ist die Leistung besser. Gleicher Körper. Gleiche Physiologie. Andere Bedeutung. Anderes Ergebnis.
Das ist kein Wunschdenken. Das ist messbar.
Und das Werkzeug dafür hast Du schon in der Hand, wenn Du das Metamodell der Sprache kennst. Fragen stellen. Präziser werden. Was genau meinst Du? Wann war das? Wie oft? Mit wem vergleichst Du? Und Du wirst merken, mit jeder Frage wird die Verallgemeinerung kleiner – und die Handlungsmöglichkeiten werden grösser. In der Mental Coach Ausbildung an der MCA trainieren wir genau das: Nicht kluge Ratschläge geben, sondern die richtigen Fragen stellen.
Die meisten Deiner Glaubenssätze sind gut
Jetzt vielleicht das Wichtigste, bevor jemand anfängt alles zu hinterfragen was er denkt. Die meisten Deiner Glaubenssätze funktionieren. Die sind nützlich. Du weisst, dass Wasser aus dem Hahn trinkbar ist. Du weisst, dass der Boden hält wenn Du aufstehst. Du musst nicht jedes Mal neu prüfen ob die Schwerkraft noch gilt.
Wie Pippi Langstrumpf gesagt hat: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Das klingt nach Kinderbuch. Ist es auch. Aber der Gedanke dahinter hat mehr Substanz als die meisten Selbsthilfebücher.
Du kannst denken und fühlen, was Du willst. Das gibt Dir Freiheit. Auch bei Sachen, wo Du bisher geglaubt hast, sie seien fest. Du darfst Dich fragen: Hat mir das bisher geholfen? Und wenn die Antwort ist Nein – dann darfst Du etwas anderes denken.
Natürlich nicht blind. Natürlich immer wieder überprüfen. Aber die Freiheit zu wissen, dass Du nicht an das gebunden bist, was Du bisher geglaubt hast … das verändert mehr als jedes Framework.
Warum die Arbeit an Glaubenssätzen zur Mental Coach Ausbildung gehört
Wenn Du Dich gerade auf dem Weg zum Mental Coach befindest, ist das hier Dein tägliches Werkzeug. Du wirst Klienten haben, die mit Glaubenssätzen kommen, die sich anfühlen wie Beton. Unverrückbar. Und dann stellst Du eine präzise Frage – und der Beton fängt an zu bröckeln.
Aber fang bei Dir an. Das ist nicht optional.
Die grösste Herausforderung, die eine Teilnehmerin in der Session beschrieben hat: Limitierende Glaubenssätze bei sich selber erkennen, die einen einschränken, ohne dass man es merkt. Die offensichtlichen erkennst Du irgendwann. Die subtilen nicht. Und genau deswegen ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Denken kein nettes Extra in der Mental Coach Ausbildung – sondern der Kern. Erst bei Dir. Dann bei anderen.
Wenn Du das Thema vertiefen willst – nicht nur theoretisch, sondern in der Praxis, mit echten Klienten und echtem Feedback – dann lass uns darüber sprechen. Die Mindgroup Coaching Academy bildet Mental Coaches aus, die wissen, wie man mit Glaubenssätzen arbeitet. Nicht weil sie ein Buch gelesen haben. Sondern weil sie es an sich selbst erfahren haben.